Konzerte & CDs - Konzertprogramm  Konzerttermine


“KONTRASTE - Freude und Schmerz bei Haydn und Prokofjew”


Joseph Haydn (1732-1809)
Aus „Deutsche Tänze“ Hob. IX:12
Nr. 1 D-Dur
Variationen f-moll Hob. XVII:6
Andante

Sergej Prokofjew (1891-1953)
Sonate a-moll, op. 28
Allegro tempestoso


Pause
Joseph Haydn
Aus „Deutsche Tänze“ Hob. IX:12
Nr. 6 F-Dur

Sergej Prokofjew
Szenen aus Romeo und Julia op. 75
Balkonszene
Das Mädchen Julia
Die Capulets und Montegues
Pater Lorenzo
Mercutio
Romeo und Julia beim Abschied


Freude und Schmerz, diese zentralen Gefühle unseres menschlichen Lebens, stehen
seit jeher im Fokus künstlerisch-musikalischer Auseinandersetzung. Sie offenbaren sich
in mannigfaltiger Ausformung in den Werken großer Komponisten, so auch bei Joseph Haydn und Sergej Prokofjew.

Obwohl Joseph Haydn zu den großen Komponisten der Wiener Klassik zählt, wird ihm selbst heute noch die tiefere emotionale Auseinandersetzung mit Fragen der menschlichen Existenz abgesprochen und ihm, etwas belächelnd, der Name „Papa Haydn“ angedichtet.

Haydns Werk weist eine ungeahnte Fülle origineller musikalischer Einfälle und deren thematische Verarbeitung auf.

Sein Werk steht dabei im Spannungsfeld von Gebrauchsmusik, wie den Deutschen Tänzen für Klavier Hob. IX:12 in denen sich Haydns ureigener Witz, Humor und auch seine Lebensfreude auftun und absoluter Kunstmusik, wie den Variationen f-moll Hob. XV:6. Beide Kompositionen sind interessanterweise etwa zeitgleich in Haydns späteren Jahren entstanden und mögen repräsentativ für die Polarität seines Schaffens sein.

Insbesondere in den Variationen, die von einigen Autoren für das bedeutendste Klavierwerk gehalten werden, das Haydn komponiert hat, offenbart sich eine Intensität von Gefühlswelten, die den großen Werken Ludwig van Beethovens in nichts nachstehen.

Ein sanft punktierter, feinnerviger Rhythmus, zu Beginn des Themas, wirkt wie ein vorsichtiges Auftun tieferer Schichten der menschlichen Seele, mit ihrem unendlichen Reichtum an Licht und Schatten, Freude und Schmerz, Anmut und Ausbruch, die im Verlauf der Variationen „belichtet“ werden.

Obwohl Sergej Prokofjews Schaffen, laut seinen eigenen Aussagen von den Werken Ludwig van Beethovens, Johannes Brahms’ und Joseph Haydns beeinflusst ist und er stets den lyrisch-melodischen Aspekt seiner Werke betont hat, wird seine Musik oft mit impulsiver, lebendiger und auch herber Virtuosität gleichgesetzt.

In der dritten Sonate a-moll op. 28 mit der Bezeichnung „Allegro tempestoso“ prallen die „Energien“ Freude und Schmerz unmittelbar aufeinander. Impuls und Hemmung sind die konstituierenden musikalischen Phänomene zu Beginn. Ein wilder, unbändiger, scharf akzentuiert aufsteigender Dreiklang der rechten Hand und das klagend bremsende Lamento einer chromatisch absteigenden Linie links potenzieren sich und ziehen den Hörer spontan in ihren Bann. Interessant nun die Wendung im Mittelteil der einsätzigen Sonate mit seiner zu Beginn schwerelos schwebenden Begleitung in der linken Hand und einem sehr empfindsamen lyrischen Gesang in der rechten.

Die Szenen op. 75 mit dem Titel „Romeo und Julia“ nach der Tragödie von William Shakespeare sind als Ballettmusik konzipiert und wurden von Sergej Prokofjew sowohl für Orchester als auch für Klavier komponiert.

Prokofjew vertont hier das wohl bekannteste Liebesdrama des Abendlandes. Das junge leidenschaftliche Glück der beiden Liebenden Romeo und Julia, die tiefe Feindschaft der beiden Familien Capulet und Montegue, die heimliche Hochzeit und der tragische Tod Romeos sind Inhalt der einzelnen, von Prokofjew auf effektvolle und eindrückliche Art komponierten, Szenen.